08.09.2010 23:38 Jörg Kopp
Heinz-D. Haun hielt beim September-Treffen von Bunnet einen Vortrag zum Verhältnis von Kultur und Wirtschaft, zu gelungenen Kooperations-Beispielen und zu konkreten Engagement-Ansätzen in Bergisch Gladbach. Er ist Begründer und Leiter der Wirkstatt, der Galerie und des Instituts für neuen Wind in Bergisch Gladbach und darüber hinaus 2. Vorsitzender des Stdtverbandes Kultur.
Rund 25 Vertreter lokaler Wirtschaftsunternehmen waren anwesend, aber interessehalber auch die Leiterin des Kulturbüros bei der Stadt Bergisch Gladbach, Frau Weymans, der Leiter des Stadtarchivs, Herr Dr. Esser, und der Vorsitzende des Trägervereins der Theas-Theaterschule, Herr Bergermann.
Beide Bereiche, Wirtschaft und Kultur, sind an einem Blick über ihre jeweiligen Tellerränder hinaus interessiert, beide brauchen gleichermaßen den Kontakt außerhalb ihres direkten Umfeldes.
Wenn Partner aus beiden Bereichen zusammenkommen wollen, dürfte dies die Grundlage sein:
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Beide Partner sind der Überzeugung, dass Kunst und Kultur wesentliche Grundpfeiler der Gesellschaft sind.
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Unternehmen wollen sich freiwillig bürgerschaftlich für eine lebenswerte und menschliche Gesellschaft engagieren (corporate citizenship/ corporate social responsibility). Sie versprechen sich davon u.a. eine Steigerung ihres Image, ihrer Reputation.
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Beide Seiten begegnen sich partnerschaftlich und auf gleicher Augenhöhe; beide haben sich gegenseitig etwas zu bieten. Kulturprojekte (soziale Projekte) begreifen sich nicht als Bittsteller, Kulturschaffende verfügen über die „Freiheit der Kunst“: Kunst kann und darf von "gesellschaftlichem Nutzwert" sein, darf aber nicht instrumentalisiert werden.
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Kooperationen müssen sich lohnen – für beide Seiten. Anzustreben ist immer nur ein win-win-Ergebnis.
Als gelungene Beispiele wurden vorgestellt:
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Kulturpatenschaften (z.B. Kölner KulturPaten/ JUC Bergisch Gladbach): zeitlich begrenzt erbringen Unternehmensmitarbeiter oder Selbständige während ihrer Arbeitszeit eine Dienstleistung für einen Kulturbetrieb.
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Kulturarbeit in Unternehmen: Kunst als Medium der Selbstentfaltung der Mitarbeiter, verstärkte Identifikation mit dem Unternehmen, wachsende Unternehmensreputation – Beispiele: dm "Abenteuer Kultur.
Unmittelbaren Effekt oder ein Benefit für ein Unternehmen kann z.B. darin bestehen, dass
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der Firmenname bei allen sich bietenden Gelegenheiten genannt wird,
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Künstler (Theaterleute, Musiker...) bei Mitarbeiterfeiern auf- oder vorführen,
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man Sondervorführungen für Mitarbeiter mit Einführungsgespräch anbieten kann,
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die Ausstellung von Kunstwerken im Unternehmen organisiert und künstlerisches Bildmaterial für Unternehmenspublikationen verwendet wird oder
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Kreativworkshops/ Theaterkurse für Unternehmensmitarbeiter angeboten werden und
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das kulturelle Engagement eines Unternehmens z.B. mit offiziell-bürgermeisterlicher Anerkennung oder Prämierung als Innovationsleistung einher geht.
Kooperationen von Wirtschaftsunternehmen und Kulturinitiativen scheinen u.a. immer dann von Erfolg gekrönt sein zu können,
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wenn eine Sinnhaftigkeit im inhaltlichen Zusammenhang mit einem Produkt, einer Marke hergestellt ist,
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die Kooperation auf Kontinuität und Nachhaltigkeit hin ausgelegt wird und
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PR-Maßnahmen in das Gesamtkonzept integriert sind.
Bezogen auf Bergisch Gladbach wurden beispielhafte Ansätze für ein kulturelles Engagement von Unternehmen skizziert...:
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Die Mielenforster Musikanten suchen einen neuen Proberaum (und würden dafür möglicherweise bei betrieblichen Sommer- und Weihnachtsfesten aufspielen).
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Finanzielle Förderung eines interkulturellen Jugendtheaterprojektes „Auf der Suche nach dem großen Vielleicht“: Begleitung von Jugendlichen auf dem Weg ins Erwachsenenalter
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Unterstützung der Theas Theaterschule mit Finanzmitteln und ideeller Unterstützung (Sachkompetenz, sozialkulturelle Lobbyarbeit...)
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"Zukunftsmusik" ohne konkrete Realisierungschance bisher: Beteiligung an einer Bürgerstiftung zur Umwidmung der Alten Feuerwache in ein sozial-kulturelles Zentrum - Unterstützung durch fachliche Dienstleistungen (Planung und Ausführung von Handwerksleistungen), zeitweise Einmietung in Veranstaltungsräume und finanzielle Zuwendungen
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Verstetigung des Kontaktes zwischen Kultur und Wirtschaft in Bergisch Gladbach
...was unmittelbar zu Interessensbekundungen führte:
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Die Speditionsfirma Scheidt/ Limbach hat ihre Bereitschaft zur Verfügungstellung eines Raumes signalisiert.
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Herr Kopp hat für Bunnet Interesse an der Unterstützung der Kinder- und Jugendkultur bekundet.
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Herr Roth/ Private Trauerakademie hat seine Bereitschaft zur finanziellen Förderung des Jugendtheater-Projekts in Aussicht gestellt.
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Die Idee einer Kooperation von Bunnet, dem Stadtverband Kultur und öffentlichen Einrichtungen wurde allgemein als gute Idee begrüßt.
"Kultur ist nicht das Sahnehäubchen, sondern die Hefe im Teig", hatte einst Johannes Rau formuliert. Und jemand anderes (N.N.) wusste, dass "Kultur das Experimentierfeld des Möglichen" ist . - Nach der aufschlussreichen und lebhaften Diskussion des Abends wurde aber auch noch einmal klar, dass die "Wirtschaft ein Realisierungsmotor des Möglichen" sein kann.
Jörg Kopp
Zum Referenten:
Heinz-D. Haun
neuer Wind / Stadtverband Kultur

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